Neuigkeiten 2017_04 Feinstaub und kardiovaskuläre Erkrankungen
Aus: https://www.aerzteblatt.de/archiv/187316/Umweltmedizin-Feinstaubfolgen-fuer-das-transplantierte-Herz
Der Einfluss von Feinstaub auf die Entwicklung unterschiedlicher Krankheitsbilder wurde in den vergangenen Jahren zunehmend untersucht.
Als Pathomechanismus vermutet man die alveoläre Aufnahme der Feinstaubpartikel in Leukozyten, die ihrerseits in den Endothelien vielfältiger Gewebe teils Entzündungsreaktionen mit nachfolgender endothelialer Dysfunktion, Hemmung der Fibrinolyse und Aktivierung der Thrombozyten hervorrufen. Darüber hinaus können sie die Entwicklung von Arteriosklerose und Progression der atherosklerotischen Plaques fördern (9, 10)
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In den letzten Jahren ist international in einigen Observationsstudien über den negativen Einfluss der Feinstaubbelastung auf kardiovaskuläre Erkrankungen berichtet worden.
Es konnte ein Zusammenhang mit dem Risiko für einen Herzinfarkt (3) und einen Herzstillstand (4) sowie mit der gesamten Sterblichkeit danach (5) festgestellt werden. Ähnliches ist für einen Schlaganfall gezeigt worden (6). Die bis dato größte deutsche Studie, die diese Zusammenhänge untersuchte (Heinz Nixdorf Recall Studie), fand ein erhöhtes Risiko eines Schlaganfalls, jedoch weniger klare Zusammenhänge mit einer KHK (7, 8).
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Der negative Einfluss von Feinstaub auf die KHK wurde in mehreren Studien untersucht. Die Mehrzahl von ihnen weist auf ein erhöhtes Risiko hin (10, 11, 12). In einer der größten Studien (ESCAPE) mit über 100 000 Teilnehmern aus 11 europäischen Zentren konnte eine Risikoerhöhung sowohl für PM2,5 als auch für PM10 gezeigt werden – sogar unterhalb der in Europa empfohlenen Schwellenwerte.
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Die Feinstaubbelastung als Risikofaktor nach einer Organtransplantation wurde bisher lediglich bei Lungentransplantierten untersucht (14, 15). Studien oder Berichte über Feinstaubbelastung bei Herztransplantierten beziehungsweise Beeinflussung der Vaskulopathie nach einer anderen Organtransplantation wurden nicht publiziert.
Die durchgeführte Analyse ergab eine signifikante Assoziation zwischen der Entwicklung einer Transplantatvaskulopathie nach Herztransplantation und der Exposition der Patienten gegenüber Feinstaubpartikeln in der Größe < 2,5 μm. Sie zeigte sich unabhängig von bekannten Risikofaktoren wie Anzahl der früheren Abstoßungen, CMV-Infekten, arterieller Hypertonie, Diabetes und Body-Mass-Index.
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Eine Transplantatvaskulopathie trat bei Patienten, die einer Feinstaubkonzentration von > 15 µg/m³ ausgesetzt waren, signifikant früher auf (p laut Log-rank-Test = 6,5 %, Breslow = 3,3 %, Tarone-Ware = 4,3 %). Die schrittweise Cox-Regression unter Einbeziehung der Zeit als zusätzliche Kovariate ergibt als unabhängigen Risikofaktor neben einer Abstoßungsreaktion (deren Effekt mit der Zeit nach Transplantation abnahm) eine höhere Feinstaubkonzentration der Partikelgröße PM2,5 ab dem Schwellenwert von 12,5 (HR 1,166, p = 0,034). Obwohl in der Entstehung und Entwicklung der Transplantatvaskulopathie nicht nur die bekannten Risikofaktoren der koronaren Herzkrankheit (KHK) eine Rolle spielen, sondern auch immunologische Vorgänge (2), sind die Ähnlichkeiten so unverkennbar, dass die Transplantatvaskulopathie als akzelerierte Form der KHK angesehen wird.
Update Sommer 2018:
Deutsches Ärzteblatt - Informationen zu Feinstaub als Ursache für Herzmuskelschädigung, Diabetes mellitus und erhöhte Kindersterblichkeit
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/96933/Bereits-geringe-Luftverschmutzung-schadet-dem-Herzmuskel
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/96201/Feinstaub-Sterberisiko-fuer-Kinder-und-Diabetesrisiko-im-Alter
Update August 2018:
Effects of gaseous and solid constituents of air pollution on endothelial function.
Thomas Münzel Tommaso Gori Sadeer Al-Kindi John Deanfield Jos Lelieveld Andreas Daiber Sanjay Rajagopalan
European Heart Journal, ehy481, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehy481 Published: 14 August 2018
Februar 2023
Dt. Ärzteblatt - Ärzteschaft - Verbände plädieren für stärkere Eindämmung der Gesundheitsbelastung durch Luftverschmutzung https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/141218/Verbaende-plaedieren-fuer-staerkere-Eindaemmung-der-Gesundheitsbelastung-durch-Luftverschmutzung :
Mit Blick auf die Revision der Luftqualitätsrichtlinie forderte er das Europäische Parlament sowie den EU-Umweltministerrat dazu auf, den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu folgen. Diese sehen im Vergleich zu den EU-Bestimmungen deutlich striktere Grenzwerte für Schadstoffe wie Feinstaub oder Stickstoffoxid vor.
Die anstehende Überarbeitung der EU-Luftqualitätsrichtlinie stelle eine echte Chance dar, etwas für die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger zu tun, betonte Barbara Hoffmann, Umweltepidemiologin an der Universität Düsseldorf.
Die gesundheitliche Bilanz der Luftverschmutzung in Deutschland sei „verheerend“. Sie verwies auf Zahlen, wonach jährlich etwa 70.000 Todesfälle durch Luftverschmutzung mitverursacht würden. Bei der gemessenen Feinstaubbelastung liege Deutschland im europäischen Mittelfeld, aber „deutlich oberhalb“ der WHO-Empfehlungen.
→ Feinstaub & Hitze - eine besonders tödliche Kombination https://gallenkemper.de/neuigkeiten/feinstaub-hitze-eine-besonders-toedliche-kombination.html
→ DGUV Staubbekämpfung Schutzmaßnahmenkonzept https://www.dguv.de/staub-info/staubbekaempfung/schutzkonzept/index.jsp
Dt. Ärzteblatt 28. August 2025 - Umweltstressoren können zusammenwirken und kardiovaskuläres Risiko erhöhen. https://www.aerzteblatt.de/news/umweltstressoren-konnen-zusammenwirken-und-kardiovaskulares-risiko-erhohen-2537ee34-9574-4f48-8370-501497ed2e23 :
" Umweltfaktoren wie Feinstaub, Lärm, Hitze und Umweltgifte können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich erhöhen. Besonders groß sind die schädigenden Auswirkungen, wenn mehrere Umweltbelastungen gleichzeitig bestehen. Das berichtet eine internationale Arbeitsgruppe mit Beteiligung der Universitätsmedizin Mainz in einer Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Cardiovascular Research (2025; DOI: 10.1093/cvr/cvaf119). Kardiovaskuläre Erkrankungen sind in Deutschland nach Angaben des Robert-Koch-Instituts für etwa 40 % aller Sterbefälle verantwortlich. Dementsprechend groß ist der Bedarf an wirkungsvollen Strategien zur Vorbeugung und damit auch an Kenntnissen zu den Risikofaktoren. Gut bekannt ist, dass Übergewicht, Diabetes, Rauchen, Bewegungsmangel sowie eine ungesunde Ernährung entscheidend zur Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen. Die internationale Arbeitsgruppe stellt in der Übersichtsarbeit heraus, dass Lärm, Feinstaub, Hitzewellen und chemische Belastungen von Boden und Wasser ebenfalls eine gefährliche Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System entfalten können. Die wichtigsten in der Publikation dargestellten Erkenntnisse zu den Auswirkungen von verschiedenen Umweltbelastungen auf die kardiovaskuläre Gesundheit betreffen dauerhaften Verkehrslärm, der Stresshormone aktiviert, ultrafeine Staubpartikel, welche über die Lunge in den Blutkreislauf gelangen und oxidativen Stress, Endothelschäden und Arteriosklerose fördern, sowie Hitzewellen, die den Kreislauf belasten. ..."
Dt. Ärzteblatt 19. September 2025 - Luftverschmutzung mit schwererer Demenz und Alzheimer-Pathologie assoziiert. Die Auswertung ergab: Mit jedem Anstieg der Feinstaubbelastung um 1 µg/m³ erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit für schwerere alzheimertypische Veränderungen – darunter Amyloid- und Tau-Pathologie – um 19 % (OR 1,19; 95-%-Konfidenzintervall: [1,11; 1,28]. https://www.aerzteblatt.de/news/luftverschmutzung-mit-schwererer-demenz-und-alzheimer-pathologie-assoziiert-7ba7f4c7-31d7-43dc-a9cf-fc5c629f9abc Original JAMA Neurology (2025; DOI: 10.1001/jamaneurol.2025.3316).
Dt. Ärzteblatt 21.1.2026 - Autoimmunerkrankungen: Feinstaub erhöht Risiko auf antinukleäre Antikörper. Eine erhöhte Feinstaubbelastung der Luft erhöht möglicherweise nicht nur das Risiko auf Lungen- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Eine Querschnittstudie in Rheumatology (2025; DOI: 10.1093/rheumatology/keaf545) bringt die Luftverschmutzung mit antinukleären Antikörpern in Verbindung, die ein frühes Anzeichen verschiedener Autoimmunerkrankungen sind. https://www.aerzteblatt.de/news/autoimmunerkrankungen-feinstaub-erhoht-risiko-auf-antinukleare-antikorper-0095ef04-46e9-4d63-9748-ab06311d9cc2