Krebsrisiko ! Viele Beschäftigte im Gesundheitswesen sind Krebsrisiken ausgesetzt
"Fast 30 % der Beschäftigten im Gesundheitswesen sind am Arbeitsplatz einem erhöhten Krebsrisiko ausgesetzt. Die häufigsten Gefahrenquellen sind einer Publikation im European Journal of Public Health (2026; DOI: 10.1093/eurpub/ckag056) zufolge ionisierende Strahlen, Formaldehyd und Ethylenoxid. Aber auch eine Exposition mit Dieselabgasen, UV-Strahlungen und Benzol ist verbreitet. ...
Jetzt stellt ein Team um Michelle Turner vom „Barcelona Institute for Global Health“ Daten zu den Beschäftigten im Gesundheits- und Pflegebereich sowie bei Sozialarbeitenden vor. Insgesamt 2.478 der 3.041 Befragten waren im Gesundheitswesen beschäftigt.
Von diesen gaben 28,0 % an, mindestens einem Karzinogen ausgesetzt zu sein, wobei Männer mit 34,3 % häufiger betroffen waren als Frauen mit 24,3 %. 20,6 % der befragten Männer und Frauen waren einer Strahlung oder Substanz mit krebserregendem Potenzial ausgesetzt, bei 7,4 % waren es 2 oder mehr.
Ionisierenden Strahlen waren 9,3 % der Männer und 7,6 % der Frauen ausgesetzt. Dies war vor allem in der diagnostischen Radiologie der Fall, wo allerdings das Ausmaß der Exposition in der Regel gering ist. Höheren Dosierungen sind die Beschäftigten nur bei interventionellen Eingriffen ausgesetzt sowie bei der Brachytherapie, bei der strahlende Substanzen im Körper der Erkrankten deponiert werden.
Mit Formaldehyd hatten 6,6 % der Männer und 5,6 % der Frauen zu tun. Formaldehyd wird zur Fixierung von Präparaten in der Anatomie und zur Sterilisation von hitzeempfindlichen Medizinprodukten wie Endoskopen eingesetzt. Hier kommt es der Studie zufolge häufiger zu einer stärkeren Exposition.
Ethylenoxid waren 5,0 % der Männer und 3,8 % der Frauen ausgesetzt. Ethylenoxid wird zur Gassterilisation beispielsweise von chirurgischen Instrumenten und empfindlichen Medizinprodukten eingesetzt. Die Beschäftigten sind dem Report zufolge häufig einer hohen Exposition ausgesetzt.
Dieselabgase, in der Regel aus Fahrzeugen und Motoren, bekommen 7,5 % der männlichen und 3,2 % der weiblichen Angestellten ab. Auch das UV-Licht bei der Arbeit im Freien gehört bei 6,6 % der Männer und 2,4 % der Frauen zu den Krebsrisiken am Arbeitsplatz. Mit Benzol, das unter anderem im Benzin enthalten ist, waren 4,5 % der Männer und 3,2 % in Kontakt.
Die Interviewer haben auch nach Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz gefragt. Diese sind in der Radiologie die Regel. Lücken bestehen allerdings bei der Radiotherapie, etwa der Brachytherapie, wo 12,1 % nach eigener Aussage ohne Schutzvorrichtungen arbeiten.
Dies war auch häufiger beim Umgang mit Formaldehyd der Fall. So verzichten 18,8 % bei der Sterilisierung auf Schutzmaßnahmen. Im Umgang mit Formalin-fixierten Präparaten oder Abfällen sind es sogar 27,3 %. Bei der Gassterilisierung mit Ethylenoxid arbeiten 35,5 % ohne Schutzvorrichtungen.
Die Studie kann nicht klären, wie hoch die gesundheitlichen Risiken durch die Exposition sind. Diese dürften bei UV-Strahlen, die vor allem für Hautkrebs verantwortlich sind, deutlich geringer sein als bei ionisierenden Strahlen, die tief in den Körper eindringen. Formaldehyd und Ethylenoxid können beispielsweise eingeatmet werden.
Studienautor Turner kritisierte den legeren Umgang mit möglichen Karzinogenen. Die Exposition sei historisch gesehen vielleicht im Gesundheitswesen weniger sichtbar als in anderen Wirtschaftssektoren. Dennoch sollten die Risiken nicht unterschätzt werden. Die Studie unterstreiche die Notwendigkeit, Präventionsstrategien zu entwickeln, die an die realen Arbeitsbedingungen in diesem Bereich angepasst seien."
VerweisE
- arbeitsrechtlicher Rahmen siehe Die Vorsorge Kartei und andere durch den Arbeitgeber vorzuhaltende Kataster im Rahmen des Arbeitsschutzes und der Arbeitssicherheit
- Benzol (GESTIS) https://gestis.dguv.de/data?name=010060
- Ethylenoxid (GESTIS) https://gestis.dguv.de/data?name=012000
- Formaldehyd (GESTIS) https://gestis.dguv.de/data?name=010520
- ionisierende Strahlung Arbeitsmedizinische Vorsorge bei beruflich - ionisierenden - Strahlen exponierten Menschen
- UV - Strahlen UV - Strahlung - Schutz für Beschäftigte im Freien