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Klimawandel und Arbeitsschutz

Klimawandel rückt zentrale Themen des Arbeitsschutzes in den Fokus

Der Klimawandel stellt zentrale Themen des Arbeitsschutzes in ein neues Licht. Dies betrifft die physikalischen Faktoren der Arbeitsumgebung (z. B. Hitze) ebenso wie Berufskrankheiten (z. B. Hautkrebs durch UV-Strahlung), neue Infektionserkrankungen (durch Vektoren) oder Gefahrstoffe (z. B. in Speichertechnologien). Gleichzeitig erfordert der Klimawandel neue, breitere Perspektiven auf Geschäftsprozesse, Produktlebensläufe und Lieferketten, etwa durch Dekarbonisierung, die Anforderungen an die Verwendung von nachhaltigen Produkten oder das Recycling in der Kreislaufwirtschaft und Nutzung nachhaltiger Energiequellen.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin BAuA hat eine Plattform gegründet, um dem Thema gerecht zu werden:

https://www.baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung-im-Betrieb/Physikalische-Faktoren-und-Arbeitsumgebung/Klimawandel-und-Arbeitsschutz/Klimawandel-und-Arbeitsschutz_node.html

 

Klimawandel: Gefahr für die Gesundheit Dtsch Arztebl 2023; 120(14): A-610 / B-523,

Quelle:  https://www.aerzteblatt.de/archiv/230605/Klimawandel-Gefahr-fuer-die-Gesundheit

 

→ European Environment Agency EEA - Europäische Bewertung der Klimarisiken  Report No 1/2024 https://www.eea.europa.eu/de/publications/europaeische-bewertung-der-klimarisiken-zusammenfassung  |  .pdf-file European climate risk assessment_DE TH-AL-24-001-DE-N.pdf [7.3 MB] 

Schwerpunktartikel der AGA zu Themen des Klimawandels

kälte problematik

hitze problematik

UPDATEs

 11 August 2025: Thomas Münzel, Mette Sørensen, Jos Lelieveld, Philip J Landrigan, Marin Kuntic, Mark Nieuwenhuijsen, Mark R Miller, Alexandra Schneider, Andreas Daiber, A comprehensive review/expert statement on environmental risk factors of cardiovascular disease, Cardiovascular Research, 2025;, cvaf119, https://doi.org/10.1093/cvr/cvaf119  :

      Cardiovascular disease (CVD) is the leading cause of mortality globally, with over 20 million deaths each year. While traditional risk factors—such as hypertension, diabetes, smoking, and poor diet—are well-established, emerging evidence underscores the profound impact of environmental exposures on cardiovascular health. Air pollution, particularly fine particulate matter (PM2.5), contributes to approximately 8.3 million deaths annually, with over half attributed to CVD. Similarly, noise pollution, heat extremes, toxic chemicals, and light pollution significantly increase the risk of CVD through mechanisms involving oxidative stress, inflammation, and circadian disruption....Climate change exacerbates these risks, with heatwaves and wildfires further compounding the cardiovascular burden, especially among vulnerable populations. The cumulative effects of these exposures—often interacting with behavioural and socioeconomic risk factors—are inadequately addressed in current prevention strategies.  The exposome framework offers a comprehensive approach to integrating lifelong environmental exposures into cardiovascular risk assessment and prevention. Mitigation requires systemic interventions including stricter pollution standards, noise regulations, sustainable urban design, and green infrastructure. Addressing environmental determinants of CVD is essential for reducing the global disease burden. This review calls for urgent policy action and for integrating environmental health into clinical practice to safeguard cardiovascular health in the Anthropocene.

 

 

 

 

 

 

 

 

Krebsrisiko ! Viele Beschäftigte im Gesundheitswesen sind Krebsrisiken ausgesetzt

"Fast 30 % der Beschäftigten im Gesundheitswesen sind am Arbeitsplatz einem erhöhten Krebsrisiko ausgesetzt. Die häufigsten Gefahrenquellen sind einer Publikation im European Journal of Public Health (2026; DOI: 10.1093/eurpub/ckag056) zufolge ionisierende Strahlen, Formaldehyd und Ethylenoxid. Aber auch eine Exposition mit Dieselabgasen, UV-Strahlungen und Benzol ist verbreitet. ...

Jetzt stellt ein Team um Michelle Turner vom „Barcelona Institute for Global Health“ Daten zu den Beschäftigten im Gesundheits- und Pflegebereich sowie bei Sozialarbeitenden vor. Insgesamt 2.478 der 3.041 Befragten waren im Gesundheitswesen beschäftigt. 

Von diesen gaben 28,0 % an, mindestens einem Karzinogen ausgesetzt zu sein, wobei Männer mit 34,3 % häufiger betroffen waren als Frauen mit 24,3 %. 20,6 % der befragten Männer und Frauen waren einer Strahlung oder Substanz mit krebserregendem Potenzial ausgesetzt, bei 7,4 % waren es 2 oder mehr.

Ionisierenden Strahlen waren 9,3 % der Männer und 7,6 % der Frauen ausgesetzt. Dies war vor allem in der diagnostischen Radiologie der Fall, wo allerdings das Ausmaß der Exposition in der Regel gering ist. Höheren Dosierungen sind die Beschäftigten nur bei interventionellen Eingriffen ausgesetzt sowie bei der Brachytherapie, bei der strahlende Substanzen im Körper der Erkrankten deponiert werden.

Mit Formaldehyd hatten 6,6 % der Männer und 5,6 % der Frauen zu tun. Formaldehyd wird zur Fixierung von Präparaten in der Anatomie und zur Sterilisation von hitzeempfindlichen Medizinprodukten wie Endoskopen eingesetzt. Hier kommt es der Studie zufolge häufiger zu einer stärkeren Exposition.

Ethylenoxid waren 5,0 % der Männer und 3,8 % der Frauen ausgesetzt. Ethylenoxid wird zur Gassterilisation beispielsweise von chirurgischen Instrumenten und empfindlichen Medizinprodukten eingesetzt. Die Beschäftigten sind dem Report zufolge häufig einer hohen Exposition ausgesetzt.

Dieselabgase, in der Regel aus Fahrzeugen und Motoren, bekommen 7,5 % der männlichen und 3,2 % der weiblichen Angestellten ab. Auch das UV-Licht bei der Arbeit im Freien gehört bei 6,6 % der Männer und 2,4 % der Frauen zu den Krebsrisiken am Arbeitsplatz. Mit Benzol, das unter anderem im Benzin enthalten ist, waren 4,5 % der Männer und 3,2 % in Kontakt.

Die Interviewer haben auch nach Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz gefragt. Diese sind in der Radiologie die Regel. Lücken bestehen allerdings bei der Radiotherapie, etwa der Brachytherapie, wo 12,1 % nach eigener Aussage ohne Schutzvorrichtungen arbeiten.

Dies war auch häufiger beim Umgang mit Formaldehyd der Fall. So verzichten 18,8 % bei der Sterilisierung auf Schutzmaßnahmen. Im Umgang mit Formalin-fixierten Präparaten oder Abfällen sind es sogar 27,3 %. Bei der Gassterilisierung mit Ethylenoxid arbeiten 35,5 % ohne Schutzvorrichtungen.

Die Studie kann nicht klären, wie hoch die gesundheitlichen Risiken durch die Exposition sind. Diese dürften bei UV-Strahlen, die vor allem für Hautkrebs verantwortlich sind, deutlich geringer sein als bei ionisierenden Strahlen, die tief in den Körper eindringen. Formaldehyd und Ethylenoxid können beispielsweise eingeatmet werden.

Studienautor Turner kritisierte den legeren Umgang mit möglichen Karzinogenen. Die Exposition sei historisch gesehen vielleicht im Gesundheitswesen weniger sichtbar als in anderen Wirtschaftssektoren. Dennoch sollten die Risiken nicht unterschätzt werden. Die Studie unterstreiche die Notwendigkeit, Präventionsstrategien zu entwickeln, die an die realen Arbeitsbedingungen in diesem Bereich angepasst seien."

Quelle: https://www.aerzteblatt.de/news/viele-beschaftigte-im-gesundheitswesen-sind-krebsrisiken-ausgesetzt-214f7fc2-e313-4c91-99d1-c57a8224606d

VerweisE

- arbeitsrechtlicher Rahmen siehe Die Vorsorge Kartei und andere durch den Arbeitgeber vorzuhaltende Kataster im Rahmen des Arbeitsschutzes und der Arbeitssicherheit

- Benzol (GESTIS) https://gestis.dguv.de/data?name=010060

- Ethylenoxid (GESTIS) https://gestis.dguv.de/data?name=012000

- Formaldehyd (GESTIS) https://gestis.dguv.de/data?name=010520

- ionisierende Strahlung Arbeitsmedizinische Vorsorge bei beruflich - ionisierenden - Strahlen exponierten Menschen

- UV - Strahlen UV - Strahlung - Schutz für Beschäftigte im Freien

UV - Strahlung - Schutz für Beschäftigte im Freien

 

 

Der Schutz vor UV-Strahlung und die Vorbeugung von Hautkrebs sind zentrales Thema der neuen Ausgabe des Magazins Arbeit & Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV).

„UV-Strahlung ist tückisch. Sie lässt die Haut schneller altern, kann Sonnenbrand verursachen und langfristig zu Hautkrebs führen“, warnt die DGUV. Immer noch würde aber das Risiko unterschätzt. Insbesondere Unternehmen müssten mehr tun, um ihre Beschäftigten zu schützen – gerade dann, wenn sie viel im Freien arbeiten.

Die DGUV empfiehlt, UV-Schutzkleidung und Sonnenschutzmittel bereits im Frühjahr einzusetzen. Bereits ab März erreiche der UV-Index, der die Belastung durch UV-Strahlung misst, die Stufe 3, sodass Schutzmaßnahmen erforderlich seien. „Wer überwiegend im Freien arbeitet, sollte dann lange Kleidung tragen, eine Sonnenbrille aufsetzen sowie eine Kopfbedeckung mit Krempe oder Nackenschutz. Unternehmen müssen ihrer Belegschaft geeignete UV-Schutzkleidung und Sonnenschutzmittel bereitstellen“, so die DGUV. Auch sollten Arbeitszeiten angepasst und Schattenspender aufgestellt werden. „Mittags, wenn die Sonnenstrahlung am intensivsten ist, sollten Beschäftigte Schatten aufsuchen können. Sonnensegel, -schirme oder andere Überdachungen verbessern den UV-Schutz im Freien.“ Im Idealfall sollten sich Beschäftigte während dieser Zeit gar nicht draußen aufhalten. Flexible Arbeitszeiten würden das unterstützen – die Belegschaft sollte früh mit den Tätigkeiten im Freien beginnen und mittags lang pausieren können.

Quelle: https://www.aerzteblatt.de/archiv/230589/UV-Strahlung-Schutz-fuer-Beschaeftigte-mit-Taetigkeit-im-Freien

 

Nach dem STOP Prinzip der Schutzmaßnahmen bei Gefährdungengilt

S - Substitution → z.B. Arbeit in Räumen ohne Sonnenexposition

T - Technische Massnahmen → z.B. Arbeit unter Sonnensegeln

O - Organisatorische Massnahmen → z.B. Arbeit in Zeit niedrigen Sonnenstandes z.B. morgens und abends

P - Persönliche Schutz Ausrüstung PSA → z.B. Sonnenhut, Sonnenbrille, langärmlige Hemden und langbeinige Hosen  

Sonnenschutzcremes wegen der Gefahr der Resorption durch die Haut nur als letzte Möglichkeit

 

Verweise:

AMWF  S3 Leitlinie "Prävention von Hautkrebs" https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/032-052OL 

BAuA "Sonnenstrahlung" https://www.baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung-im-Betrieb/Physikalische-Faktoren-und-Arbeitsumgebung/Optische-Strahlung/Sonnenstrahlung.html

BAuA: Arbeitsmedizinische Regel AMR Nr. 13.3 "Tätigkeiten im Freien mit intensiver Belastung durch natürliche UV-Strahlung von regelmäßig einer Stunde oder mehr je Tag" https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Regelwerk/AMR/AMR-13-3.html

BfJ "Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen künstlicher ultravioletter Strahlung" https://www.gesetze-im-internet.de/uvsv/

BfS "UV Strahlung" https://www.bfs.de/DE/themen/opt/uv/uv_node.html

BfS "UV Schutz-Bündnis" https://www.bfs.de/DE/themen/opt/uv/buendnis/buendnis_node.html

BfS " Einfluss des Klimawandels auf die UV-Belastung" https://www.bfs.de/DE/themen/opt/uv/klimawandel-uv/klima-uv-belastung/klimawandel-uv-belastung.html

DGUV  "Vor Sonne schützen" https://aug.dguv.de/gesundheitsschutz/vor-sonne-schuetzen/

DGUV "Sonne" https://www.dguv.de/de/praevention/themen-a-z/sonne/index.jsp

DGUV FAQ "Sonnenstrahlung" https://www.dguv.de/fb-etem/faq/faq_nichtioni/index.jsp

DGUV "Sonnenschutz" https://www.dguv.de/de/praevention/themen-a-z/sonne/informationen/index.jsp

DGUV Info 203-085 "Arbeiten unter der Sonne" https://publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/3049

DGUV Info 215-444 "Sonnenschutz im Büro" https://publikationen.dguv.de/regelwerk/dguv-informationen/615/sonnenschutz-im-buero

DGUV "Hautkrebs durch arbeitsbedingte UV-Strahlung" https://www.dguv.de/de/versicherung/berufskrankheiten/hauterkrankungen/hautkrebs/index.jsp

IfA "Genesis -UV" https://www.dguv.de/ifa/fachinfos/strahlung/genesis-uv/index.jsp

IPA "Nachweis der Aufnahme von Sonnenchutzmitteln mittels Humanbiomonitoring" https://www.dguv.de/ipa/publik/newsletter/2020/index.jsp#_Toc262362 | https://www.dguv.de/medien/ipa/publikationen/ipa-journale/ipa-journale2020/ipa-journal2003/ipa_journal2003_fg-berufsderma_koch.pdf 

Deutscher Wetter Dienst DWD - UV Gefahren-Index: https://www.dwd.de/DE/leistungen/gefahrenindizesuvi/gefahrenindexuvi.html?nn=18496